Gedichte in Versform
 
Das gereimte Gedicht entspricht scheinbar nicht dem heutigen Zeitgeist und wird deshalb von manch einem abgelehnt. - Vielleicht weil die Versform häufig kitschig eingesetzt wurde - vielleicht ist es aber auch nur das Unvermögen der "modernen" Dichter, den Reim ausdrucksstark anzuwenden. Bevor man die Versform ablehnt, sollte man prüfen, ob man überhaupt bereit ist, diese Form zu akzeptieren - und das Gefühl vorhanden ist, ein sol-
ches Gedicht in seinem Vers-Rhythmus zu lesen - oder gar vorzutragen.
In der Page des Lyrikers H. C. Neuert heißt es noch deutlicher: "Ausgehend von der Tatsache, dass die heutige Gebrauchslyrik Gedichte leider nur zu sentimentaler Unter-
haltung missbraucht, statt neue Wege zu suchen und ausgehend von der Situation, dass auch die bessere Gegenwarts-Lyrik leider zu oft gekennzeichnet ist von Überspanntheit in Ausdruck und Form und sich durch Unverständlichkeit in intellektuellen Dunst hüllt..."
Wenn das so ist, wäre es Grund genug, sich der alten Versform zu bedienen und diese mit ausdrucksstarken Inhalten zu versehen, die diese Gedichtform wieder attraktiv macht.
Die überlieferte Versform muss nicht zwangsläufig kitschig oder schwülstig sein - und die ungereimte Dichtung nicht unbedingt modern oder inhaltsreicher. Form und Inhalt sollten sich ergänzen und den Leser fesseln, dann hat das Gedicht - gereimt oder ungereimt - seine Aufgabe erfüllt.
Wie heißt es doch so schön im Volksmund: "Sprich nicht so ungereimtes Zeug!" Das heißt wohl nichts anderes, als dass gereimte Worte die Sprache verschönen...
Nach 45 Jahren dichterischer Abstinenz befasse ich mich erst wieder seit 2003 mit der Dichtung und brachte seitdem acht Poesie-Bücher auf den Markt, von denen das erste schon im Folgejahr neu aufgelegt wurde (inzwischen ist die 3. Auflage erschienen). Diese sehr individuell gestalteten Bücher werden von vielen als die schönsten des deutschen Buchmarktes bezeichnet. Auch unsere Klappkarten-Serie mit Bild & Gedicht (28 Motive) findet großen Anklang.
Vielleicht kann ich etwas zur Renaissance dieser Gedichtform beitragen. So wünsche ich Ihnen in diesem Sinne viel Freude an meinen Bildern und Gedichten!

Klaus Ender

Neuerscheinung: Ein Samenkorn mit Zuversicht