Die Wahrheit
Der Gehalt am Worte Wahrheit
ist nicht messbar - Gott sei Dank,
hätte man davon die Klarheit,
wäre unsre Seele krank.

Nichts wird so enorm verbogen,
wie der Wahrheit tiefer Sinn,
nirgends wird wohl mehr gelogen,
nirgends: Wahrheit - Neubeginn.

Erstens ist der Mensch zu feige,
zweitens sieht er selten ein,
drittens spielt er Erste Geige,
viertens dünkt er sich zu fein.

Und so lügt man sich durchs Leben,
denn die andern tun's ja auch
und es ist meist nicht vergebens,
dickes Konto - dicker Bauch.

Wer sich outet, ist ja dämlich,
wer gut lügt, ist oben auf,
denn schon immer zeigt sich nämlich,
jedes Treppchen kommt man rauf.

Kommt dann doch die große Stunde,
wo der Lügner Reue zeigt,
dann zeugt das aus seinem Munde,
dass er stets zur Lüge neigt.

Und so währt doch nicht am längsten,
was DIE WAHRHEIT wird genannt,
weil der Mensch mit seinen Ängsten
nicht als Lügner wird benannt.

Und so rotten sich zusammen
alle Lügner dieser Welt
und sind alle dann beisammen,
teilt man sich erlognes Geld.

Schnauze halten - stets verdrehen,
lügen, bis der Balken biegt,
niemals etwas eingestehen,
das ist das, was ihnen liegt.

Posten schachern, Politik,
ehrlich sein - zum Schein,
niedermachen die Kritik,
wichtig - SIE allein.
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Ender-Lyrik / Zeitgeist
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Fotos & Gedichte: © Klaus Ender
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